Heute möchte ich nach dem langen wilden campen mal wieder einen Campground ansteuern und eine heiße Dusche nehmen. Auf dem Plan steht die „nächste“ Ortschaft – Carnarvon. Das es hier eher unfreiwillig zwei Tage werden, erzähle ich gleich.

Carnarvon

Mittlerweile liegt der ursprünglich Ausgangspunkt Perth 900 km zurück. Jedoch mit meinen Ausflügen Richtung Süden Australiens nach Rottnest, Lucky Bay und Margaret River stehen noch einige Kilometer mehr auf dem Tacho und werden sicherlich auch noch mehr. Denn das Ziel ist Darwin. Heute jedoch wollte ich nur noch ein paar Kilometer zum nächsten Campgrund auf dem Asphalt lassen und mache mich auf nach Carnarvon.

Carnarvon, eine kleine Stadt im Norden der Coral Coast in Western Australia zählt ca. 5.000 Einwohner und liegt zwischen dem Indischen Ozean und der Mündung des Gascoyne River. Viel hat dieses Städtchen im übrigen nicht zu bieten. Eine kleine Einkaufsmeile, einige Strände und viele Gemüse- und Obstplantagen. Nahezu 80 % der Bananenstauden von West Australien stammen aus diesem Anbaugebiet.

Die Vorfreude steigt! Endlich mal wieder eine warme dusche. Einmal das Deluxe Programm bitte! Mein Inneres freut sich.
Ich hab´s heute nicht eilig. Zudem sind es nicht mal 200 Kilometer die vor mir liegen. In Australien ist das quasi in unmittelbarer Nachbarschaft.

In Australien ticken die Uhren anders. Irgendwie schneller. Als ich in Carnarvon ankomme, nehme ich zu allererst die falsche Einfahrt auf ein Gelände und stelle fest, das diese Einfahrt ganz schön schmal für einen Campground ist. Dann leuchtet mir sehr schnell ein, dass es eine Einfahrt zu einem Privatgrund ist und manövriere „Bruno“, so habe ich mein Auto getauft, aus dieser misslichen Lage. Ganz schön peinlich! Gut das hier nicht so viel los ist.

Dann gleich nebenan ist die richtige Auffahrt zum Campground und ich schlage ein. Es war bereits 17 Uhr vorbei und üblicherweise haben dann die meisten bereits das Office nicht mehr besetzt. Tja, da stand ich nun, erst die falsche Einfahrt, dann auch noch vor verschlossener Tür. Enttäuscht wollte ich schon wieder abziehen kam eine Frau lächelnd mit den Worten ums Eck „How´s going Sweetie? How can I help you“. Nun, ich brauche einen Platz. Für Bruno, das Ungetüm und mich, mit Strom und einer sauberen Dusche.

Zum Glück gab es noch einen Stellplatz und so konnte ich einen der letzten ergattern.

Was die Australier lieben sind Abkürzungen und BBQ´s. So wurde ich gleich noch zum Campingplatz BBQ eingeladen.

 

Cyclone zum BBQ

Erinnerst Du Dich an die Geschichte von dem Mann auf dem Campingplatz kurz bevor ich in den Yanchep National Park aufgebrochen bin? Seine Worte damals waren: „Oh, there is an Cyclone coming down…“.

Bevor es zum BBQ geht fragte mich die Besitzerin vom Campground wohin meine Reise geht und wie lange ich denn bleiben würde. Das diese Frage keine Floskel war, erfuhr ich wenige Minuten später. Wieder dieses Wort – Cyclone. Oben im Norden würde man auf ihn warten. Er bewegt sich so langsam und ist noch nicht auf Land getroffen, aber viele der Bewohner flüchten gerade nach unten, deswegen ist der Campingplatz auch so voll. Mehr wüsste man aktuell noch nicht. Die Frage stellte sich nun – morgen weiterfahren, oder noch eine Nacht bleiben. Wir öffneten ein Bier und vereinbarten, das ich morgen früh nach dem Duschen noch einmal kurz im Büro vorbeikomme um noch einmal ein Update zum Verlauf des Cyclones zu bekomme und über die Straßensperre. Cheers!

 

Katerstimmung am nächsten Tag

Nein, es ist nicht das Bier der für die Katerstimmung sorgte. Die Situation im Norden hat sich aktuell nicht geändert. Das erfuhr ich, als ich vorne das Office betrat. Der Cyclone bewegt sich weiterhin Richtung Küste, aber so langsam, dass bislang noch keine Aussage getroffen werden kann, ob er eintrifft, abschwächt oder vorbeizieht. Mittlerweile füllt sich der Campingplatz weiter mit den Flüchtenden. Die Straßen sind zwar noch geöffnet, aber das könne sich im Laufe des Tages ändern, meinte der Mann hinter dem Tresen. Die Gefahr wäre groß den weiten Weg zu fahren und dann wegen dem Cyclone wieder umdrehen zu müssen.

Ich wollte noch einmal darüber nachdenken. Machte mir ein Katerfrühstück und entschied mich, noch einen Nacht zu bleiben.

Carnarvon – zeig mal, wer du bist!

Seit gestern Abend, seit ich meinen Stellplatz bezogen habe, habe ich meine netten Nachbarn, ein älteres Ehepaar samt riesigen Hund kennengelernt. So ist das eben auf dem Campground. Hier kommt jeder von woanders her, aber dennoch bildet man dort eine eigene Stadt mit eigenen Gesetzen. Schon komisch, oder? Australien ist riesig und der Platz ausreichend, dennoch entscheiden sich Menschen, auf kleinem Raum ihr Mobile Home aufzubauen. Aber alle sind sie nett und hilfsbereit. Sie erzählen über sich, ihren Sohn, über ihre Hunde und über meine Reise. Dann fragte ich sie, was ich hier außerhalb vom Campingplatz machen könnte und sie erzählten mir etwas vom Strand und dem Carnarvon Space Tracking Station, den ich bei der Hinfahrt schon auf der rechten Seite gesehen hatte. Da fährst Du stundenlang durch das Nichts und inmitten dem Nichts eine Satellitenbeobachtungsstation „The Big Dish“.

 

Carnarvon Space Tracking Station

Die Station wurde 1974 von der Nase geschlossen und kann heute als Museum besichtigt werden. Wie hoch wohl die Besucherrate ist? Zumindest erklärt es, warum ich vor verschlossener Tür stand, da es bereits geschlossen hatte.

 

Ich beschloss meinen Tag gemütlich am Strand zu verbringen und machte mich auf dem Weg. Denn viel gibt es hier in Carnarvon nicht zu entdecken.

 

Weit kam ich jedoch nicht. Erst fiel mein Blick auf das Schild mit der Warnung vor Sand auf der Straße und dann fiel mir der Trailer am Straßenrand auf. Aber nirgends war ein Pferd und Reiter zu entdecken.

 

Darf ich vorstellen, das ist „Big Fluffy“ beim schwimmen im indischen Ozean. Bei über 40 Grad auch eine Abkühlung für Pferd, Reiter und Hund.

Mit der Besitzerin von „Big Fluffy“ bin ich nach ihrer Abkühlung dann noch ins Gespräch gekommen. Als ich ihr erzählte das ich eigentlich Richtung Darwin fahre aber aktuell wegen dem Cyclone nicht weiterkomme, hat sie mir sofort ihre Nummer gegeben. Im Notfall hätte Sie auf der Farm sicherlich noch was für mich zu tun und eine Unterkunft stellt sie mir auch. Also, falls ich nicht weiterreisen kann oder auch einfach so bleiben möchte.

Erst einmal entschied ich mich weiter zu fahren, die Stadt zu erkunden und auf dem Rückweg zwei Six Pack Bier einzukaufen. Hierzu muss man in Australien in einen gesonderten Liquor Store. Auf dem Weg dort hin, nur wenigen Meter davor, wurde ich paradoxerweise von der Polizei angehalten und einem Alkoholtest unterzogen. Als das Gerät wohl 0 Promille anzeigte nickte der Polizist und sagte „Well done“ und ich nur um 14 Uhr  „of course“ und konnte meine Fahrt fortsetzen. Mein erster Alkoholtest in Australien war einmal um 11 Uhr Vormittags. Im Gegensatz zu Deutschland wird aber nicht lange nachgefragt. Kurzes „Hello“ und dann kommt auch schon das Gerät durch die geöffnete Scheibe gereicht.

Nun, andere Länder, andere Sitten. Mal sehen was der morgige Tag so bringt. Ich mach mich jetzt auf zurück zum Campingplatz, das Ginger Beer ist schon gekühlt!

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