Was ist der Goldene Schnitt?
Perfekte Harmonie in Fotografie und Natur
Der Goldene Schnitt ist eine der bekanntesten Regeln der Bildgestaltung. Er hilft dir dabei, Hauptmotive harmonisch im Bild zu platzieren und Fotos spannender wirken zu lassen. In diesem Beitrag zeige ich dir anhand von Beispielen aus der Fotografie, was der Goldene Schnitt ist und wie du ihn beim Fotografieren praktisch einsetzen kannst.
Im zweiten Teil meiner Blogreihe „Fototipps“ dreht sich alles um den „Goldenen Schnitt„. Wer sich bereits mit Fotografie beschäftigt hat, kennt dieses Prinzip sicher: Der Goldene Schnitt gilt als Maßstab für Harmonie und Ästhetik – sowohl in der Natur als auch in der Fotografie.
Den Goldenen Schnitt finden wir in vielen Bereichen wieder. Auch die Industrie macht sich diese Maßeinheit zu nutze, wie zum Beispiel bei der Erstellung eines Logos. Man findet ihn im Logo von Apple, National Geographic und Pepsi angewandt. Auch Mona Lisa ist anhand des Goldenen Schnitts gemalt.
Er sorgt für Symetrie und als Anhaltspunkt. In diesem Beitrag erfährst du mehr über den „Goldenen Schnitt„.
Goldener Schnitt
Der bekannteste goldene Schnitt, ist der von Leonardo da Vinci. Der vitruvianische Mensch stellt am Beispiel der menschlichen Proportionen, die Maßeinheit des goldenen Schnittes dar.
Die Fingerspitzen berühren das Quadrat, sowie die Fußsohlen den umlaufenden Kreis. Auch die Proportionen der einzelnen Körperteile entsprechen dem goldenen Schnitt.
Betrachtet man den Goldenen Schnitt mathematisch, steht das Aufteilungsverhältnis zweier Größen zueinander. Diese Zahl wird als das bekannte Phi (griechischer Buchstabe) bezeichnet und entspricht in etwa dem Verhältnis von 1:1,618.
Wer es noch etwas komplizierter möchte, der kann zur Berechnung die nachfolgende Formel anwenden:
(a + b) : a = a : b ≈ 1,618
Oder vereinfacht gesagt. Würde man das Bild prozentual aufteilen, enthält das Bild eine große Fläche von 62 % sowie 38 %. In den geringeren Teilbereich erfolgt die Platzierung des Motivs.
Wie es sich mit dem Goldenen Schnitt ohne große Berechnung verhält, zeige ich dir in den kommenden Beispielen.
Die Goldene Spirale in der Fotografie
Die Spirale folgt sich selbst
Die Spirale ist eine Möglichkeit, den Goldenen Schnitt bei der Bildkomposition praktisch anzuwenden. Sie kann dabei helfen, den Blick des Betrachters durch das Bild zu führen.
Würde man das Motiv anhand der Spirale ausrichten, folgt das Auge der Spirale von links nach rechts, bis in die Mitte und dem Ende der Spirale. Das bedeutet, auf der linken Seite (im größeren Teil) mit 62% ist weniger vom „interessanten Motiv zu sehen, denn das Hauptmotiv was aufgenommen wird, befindet sich dann in der rechten Hälfte (im kleineren Bereich. mit 38 %
Goldener Schnitt – Beispiele aus meinen Fotos
Bei diesem Foto habe ich den Horizont bewusst im Bereich der goldenen horizontalen Linie platziert. Dadurch bekommt der Himmel mehr Raum, während das eigentliche Hauptmotiv im unteren Bildbereich bleibt.
Goldener Schnitt einfach erklärt
In diesem Video wird das Ganze nochmal klar erklärt, wie es sich mit dem goldenen Schnitt verhält.
Warum wirkt der Goldene Schnitt bei Fotos so harmonisch?
Maßstab der Schönheit
Der Goldene Schnitt wird häufig mit Harmonie und Ästhetik in Verbindung gebracht. In der Fotografie ist er vor allem ein Werkzeug für die Bildkomposition – nicht jedoch eine Formel für ein automatisch „schönes“ Foto.
Der deutsche Psychologe Adolf Zeising sagte darüber:
„ (…) wirklich, wie das Gefühl schon längst geahnt, der menschliche Körper ein aus einer Uridee hervorgequollener, in allen seinen Teilen und Dimensionen nach einem und demselben Grundverhältnis gegliederter und inmitten der unendlichen Mannigfaltigkeit seiner einzelnen Formen und der Freiheit seiner Bewegungen ein von vollkommenster Harmonie und Eurythmie durchdrungener Organismus ist.”
Auch mit dem Smartphone kannst du den Goldenen Schnitt als Orientierung nutzen. Aktiviere dafür das Raster in den Kameraeinstellungen, sofern dein Smartphone diese Funktion anbietet. Alternativ kannst du das Motiv bereits beim Fotografieren bewusst außerhalb der Bildmitte platzieren und später beim Zuschneiden optimieren.
Was heißt das nun in der Praxis und insbesondere für den Bildaufbau. Wenn du den goldenen Schnitt an deinen Fotos anwendest, wirken diese für das menschliche Auge besonders harmonisch.
Der Goldene Schnitt ist ein Hilfsmittel für dich. Versuche bei deinen nächsten Bildern einfach mal diesen Foto Tipp umzusetzen.
Schau dir hierzu einmal das Beispielbild an und die Ausrichtung der Linien. Das Ganze funktioniert selbstverständlich auch am Handy mit gedanklichen Hilfslinien.
Wann sollte man den Goldenen Schnitt einsetzen?
Der goldene Schnitt als Hilfsmittel
Der Goldene Schnitt ist ein Hilfsmittel. Selbstverständlich ist deiner kreativen Umsetzung keine Grenzen gesetzt. Probiere dich aus. Nimm dein Motiv mit dem goldenen Schnitt auf, teste dich aus. Mache aus unterschiedlichen Perspektiven deine Bilder und vergleiche sie.
Ob man sich nun dieser „strengen“ Regelung unterwirft, hängt auch oftmals von der Situation ab. Für dieses Foto von einem Mönch in Vietnam hatte ich eine einmalige Chance ihn so zu fotografieren. Genau ein Klick und das Foto war gemacht. Kein rechts oder links, ein hin und hergedrehe, er stand genau so, als ich ihn um ein Foto bat. So ist es manchmal, dass man etwas von der Norm abweicht, dafür jedoch einen kostbaren, einmaligen Augenblick festgehalten hat.
Muss jedes Foto dem Goldenen Schnitt folgen?
Nein, Regeln helfen – sie ersetzen aber nicht den richtigen Moment!
Myanmar, Belichtung: 1/400 Sek. | Blende: f/4 | ISO 125 | Kamera: Canon EOS 1D MarkII | Objektiv: EF24-70 mm f/2.8L II USM
Die Drittel-Regel
Teilt man nun das Objekt, das man fotografieren möchte in zwei waagrechte und zwei senkrechte Linien, erhält man neun Felder. Viele Kameras – teilweise sogar Handies, haben dieses Hilfsmittel bereits zum Einblenden im Display oder im Sucher eingebaut.
Nun richtet man sein Motiv innerhalb dieser Hilfslinien aus. Auf der waagrechten erfolgt die Ausrichtung in der Geraden, wie zum Beispiel der Horizont, Berge, Hintergrund. Im Vorderen oder im hinteren Drittel wird das Kernmotiv platziert.
Die Drittel-Regel ist eine vereinfachte Form der Bildaufteilung und in der Praxis oft leichter anzuwenden. Während der Goldene Schnitt ungefähr bei 38,2 % und 61,8 % liegt, teilt die Drittel-Regel das Bild in drei gleich große Bereiche. Beide Methoden können helfen, ein Hauptmotiv interessanter zu platzieren – keine davon ist jedoch eine starre Vorschrift.
Ich persönlich sehe den Goldenen Schnitt eher als Orientierung denn als feste Regel.
Goldener Schnitt oder Drittel-Regel – wo liegt der Unterschied?
| Goldener Schnitt | Drittel-Regel | |
|---|---|---|
| Verhältnis | ca. 38,2 % / 61,8 % | 33,3 % / 66,7 % |
| Genauigkeit | mathematisch genauer | vereinfachte Regel |
| Anwendung | etwas anspruchsvoller | sehr einfach |
| Kamera-Raster | nicht immer vorhanden | sehr häufig vorhanden |
| Für Anfänger | gut zum Lernen | besonders einfach |
Häufige Fragen zum Goldenen Schnitt in der Fotografie
Was ist der Goldene Schnitt in der Fotografie?
Der Goldene Schnitt ist ein Gestaltungsprinzip, mit dem sich Motive und Bildelemente harmonisch im Bild platzieren lassen. Das zugrunde liegende Verhältnis beträgt ungefähr 1 : 1,618. Vereinfacht entspricht das einer Aufteilung von etwa 38,2 % zu 61,8 %.
In der Fotografie kann der Goldene Schnitt beispielsweise dabei helfen, den Horizont, ein Hauptmotiv oder wichtige Linien im Bild zu positionieren. Ziel ist nicht, jedes Foto exakt nach einer mathematischen Formel aufzubauen, sondern eine ausgewogene und interessante Bildkomposition zu erreichen.
Wie wende ich den Goldenen Schnitt beim Fotografieren an?
Überlege zunächst, welches Element in deinem Foto die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen soll. Dieses Hauptmotiv kannst du anschließend ungefähr auf einer der Linien bzw. an einem der Schnittpunkte des Goldenen Schnitts platzieren.
Bei einer Landschaftsaufnahme kann beispielsweise der Horizont entsprechend positioniert werden. Bei einem Porträt kann sich das Gesicht oder die Augenpartie in einem wichtigen Bereich der Komposition befinden.
In der Praxis musst du dabei nicht millimetergenau arbeiten. Der Goldene Schnitt dient vor allem als Orientierung für deine Bildgestaltung.
Ist der Goldene Schnitt besser als die Drittel-Regel?
Nein. Der Goldene Schnitt ist nicht grundsätzlich besser als die Drittel-Regel.
Die Drittel-Regel teilt das Bild in neun gleich große Bereiche. Der Goldene Schnitt verwendet dagegen das Verhältnis von ungefähr 38,2 % zu 61,8 %. Dadurch liegen die entsprechenden Linien etwas näher an der Bildmitte als bei der Drittel-Regel.
Die Drittel-Regel ist in der Praxis häufig einfacher anzuwenden und wird von vielen Kameras und Smartphones durch ein eingeblendetes Raster unterstützt. Der Goldene Schnitt kann dagegen eine etwas subtilere Bildaufteilung ermöglichen.
Letztendlich ist entscheidend, welche Komposition für das jeweilige Motiv am besten funktioniert.
Kann ich den Goldenen Schnitt in Lightroom anwenden?
Beim Zuschneiden stehen verschiedene Überlagerungen bzw. Raster zur Verfügung. Je nach Lightroom-Version und Programmoberfläche kannst du zwischen verschiedenen Kompositionshilfen wechseln. Der Goldene Schnitt beziehungsweise entsprechende Kompositionsüberlagerungen helfen dir dabei, beim Cropping die Position wichtiger Bildelemente zu beurteilen.
Das ist besonders praktisch, wenn du beim Fotografieren noch nicht exakt nach dem Goldenen Schnitt komponiert hast.
Wichtig: Die Bildbearbeitung sollte dabei nicht als Zwang verstanden werden. Wenn ein Foto durch einen anderen Zuschnitt besser wirkt, würde ich mich immer für die bessere Bildwirkung entscheiden.
Was ist die Goldene Spirale?
Die Goldene Spirale ist eine grafische Darstellung des Goldenen Schnitts. Sie entsteht, wenn man aus entsprechend proportionierten Rechtecken eine Spirale konstruiert.
In der Fotografie kann die Goldene Spirale als Kompositionshilfe verwendet werden. Die Idee dahinter ist, wichtige Bildelemente entlang der Spirale anzuordnen und dadurch den Blick des Betrachters durch das Bild zu führen.
Besonders interessant kann das bei Motiven sein, die bereits eine geschwungene Form oder eine natürliche Blickführung besitzen – beispielsweise bei Treppen, Straßen, Wegen, Landschaften oder Architektur.
Wann sollte ich den Goldenen Schnitt nicht verwenden?
Der Goldene Schnitt ist eine Gestaltungshilfe und keine feste Regel. Ein Motiv muss nicht automatisch besser aussehen, nur weil es mathematisch korrekt nach dem Goldenen Schnitt angeordnet wurde.
Bei manchen Fotos funktioniert beispielsweise eine zentrale Komposition besser. Bei anderen Bildern ist die Drittel-Regel geeigneter. Und manchmal entsteht das stärkste Foto genau dadurch, dass du bewusst alle Regeln ignorierst.
Gerade bei Street Photography, Reportage oder spontanen Reisefotos bleibt oft keine Zeit, vor dem Auslösen eine perfekte Komposition zu berechnen.
Kann ich den Goldenen Schnitt auch mit dem Smartphone nutzen?
Ja. Auch mit dem Smartphone kannst du den Goldenen Schnitt als Orientierung für deine Bildkomposition verwenden. Aktiviere dafür zunächst das Kameraraster, sofern dein Smartphone diese Funktion anbietet. Die eingeblendeten Drittellinien entsprechen allerdings nicht exakt dem Goldenen Schnitt. Für eine genauere Umsetzung kannst du das Foto später beim Zuschneiden entsprechend ausrichten.
Mein Fazit: Der Goldene Schnitt ist eine spannende Möglichkeit, deine Fotos bewusster zu gestalten. Je öfter du damit arbeitest, desto leichter wirst du entsprechende Bildaufteilungen bereits beim Fotografieren erkennen. Aber genauso wichtig ist es, die Regel irgendwann wieder loszulassen. Denn ein gutes Foto entsteht nicht durch Mathematik allein, sondern durch Motiv, Licht, Perspektive, Timing und deine eigene Sichtweise.
Kunst ist was gefällt. Ich wünsche dir viel Spaß in der Umsetzung der Fototipps und freue mich auf deine Erfahrungen. Hinterlasse mir doch einfach einen Kommentar über deine Erfahrungen in der Fotografie und Umsetzung der Fototipps.
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